Die Rockzipfel-Idee des Coworking mit Kindern fußt auf dem Continuum Concept von Jean Liedloff. Sie soll Kindern ermöglichen, möglichst lang in der Nähe der Eltern zu bleiben. Das entspricht dem ursprünglichem Bedürfnis der Kinder und gibt eine stabile Basis von Urvertrauen ins Leben.
Mir war in 2011-2012 mehrmals das Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ von Jean Liedloff empfohlen worden. Schließlich habe ich es während der Schwangerschaft mit meinem Sohn gelesen.
Jean Liedloff berichtet von ihren Beobachtungen bei Amazonas-Indianern: Die Menschen dort sind sehr glücklich und entspannt. Als Ursache vermutet sie den bedürfnis-orientierten Umgang mit den Kindern: die Babys haben lang dauerhaften Körperkontakt mit vertrauten Menschen, werden getragen, nach Bedarf gestillt, schlafen im Familienbett.
Das weitere Aufwachsen ist geprägt von entspanntem, freundlichem Umgang aller mit den Kindern. Die Erwachsenen vertrauen darauf, dass die Kinder von Natur aus ein Interesse daran haben, sich in die Gemeinschaft zu integrieren und mitzuwirken.
Dadurch wachsen die Kinder sehr freundlichen, friedlichen und selbstbewussten Menschen heran.
Das Buch erschien erstmals in 1977 und gilt mittlerweile als Standardwerk bei den Erziehungsratgebern. Die Kerngedanken sind heute wissenschaftlich bestätigt.
In der Folge las ich das Buch von Carola Eder mit dem Titel „Auf den Spuren des Glücks“. Darin erwähnt sie den Rockzipfel in Leipzig; das war unser Vorbild für den Rockzipfel München.
Carola Eder übersetzt das Kontinuum‑Konzept in die westliche Welt. Sie propagiert langes Stillen, häufiges Tragen und das Familienbett. Alle Themen des Zusammenlebens mit Kindern werden beleuchtet. Sie bringt auch viele Erfahrungsberichte und gibt damit Anregungen, wie das Kontinuum‑Konzept in der westlichen Welt umgesetzt werden kann.
Die Rockzipfel‑Eltern‑Kind‑Büros eignen sich natürlich nur für Eltern, die von zu Hause aus arbeiten können oder vielleicht noch studieren.
Für diesen Personenkreis ist es leicht vorstellbar, sich mit dem Kind, mit anderen Eltern und deren Kindern zu treffen und gemeinsame Kinderbetreuung zu organisieren.
Dadurch bekommen alle Eltern abwechselnd Zeit für sich, um ihren eigenen Interessen nachzugehen, wo das Kind sonst eventuell stören würde.
Das reicht von Studenten, die sich etwas um ihr Studium kümmern wollen, über Eltern in Elternzeit, die einfach nur in Ruhe E‑Mails checken möchten, bis hin zu Berufstätigen, die in einer Homeoffice‑Situation Arbeiten erledigen können.
Natürlich hängt der Erfolg des Eltern‑Kind‑Büros auch vom Charakter der Kinder ab, ob diese sich auf diese gemeinschaftliche Betreuungssituation einlassen können.
Es gibt vereinzelt Kinder, für die das nicht möglich ist, aber die große Mehrheit profitiert von der Großfamilien- oder Dorf-Situation.
